Sonderausstellung
Über den Tellerrand. Von Bayern in die Welt
Vom 4. Dezember bis 14. März 2027
Feinstes Porzellan steht im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Über den Tellerrand. Von Bayern in die Welt“. Gleichzeitig erinnert sie im 80. Gedenkjahr an die Vertreibung der Sudetendeutschen: Die Schau erzählt die Geschichte einer 1946 aus ihrer böhmischen Heimat nach Bayern vertriebenen Familie, die dank hoher Spezialisierung, großem Fleiß und unbedingtem Willen, wieder Fuß zu fassen, von Bayern aus international erfolgreich wirken konnte.
Der Blick geht zunächst zurück in das Jahr 1921: Im berühmten Kurort Karlsbad trifft sich die europäische High Society zur Sprudeltrinkkur. Seit diesem Jahr vertrieb Josef Dutz (1887‒1955) elegante Mokkagarnituren und anspruchsvolle Geschenkartikel aus Porzellan. Nebenbei veredelte er feine Tafelporzellane in aufwendiger Ätzgoldtechnik. Das Geschäft blühte, doch mit dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich das Ende dieses Erfolgs ab. Die Vertreibung aus der Heimat führte zum Niedergang des Unternehmens. Die Familie wurde über Bayern zerstreut. Ein Familienzweig verblieb in der Oberpfalz, der andere kam in den damaligen Landkreis Friedberg und ließ sich schließlich in Haunstetten (heute Augsburg) nieder.
Stück für Stück wurde die Herstellung der Ätzgoldarbeiten wiederaufgebaut und die ursprüngliche Kollektion von Enkel Herbert Frank (geb. 1933) durch Handmalerei erweitert. Es gelang, Kontakte zu Auftraggebern zu knüpfen, Fachmessen wurden beschickt und eine neue wohlhabende Kundschaft entstand – dieses Mal international. So wurden die hochwertigen Produkte schließlich über die Grenzen Europas hinaus in die damalige Sowjetunion, in den Mittleren und Fernen Osten sowie nach Übersee exportiert.
Um die Jahrtausendwende endete die Firmengeschichte, jedoch haben sich zahlreiche Porzellane, Dokumente und Anschauungsmaterial erhalten, die in der Ausstellung präsentiert werden. Darunter befindet sich ein Musterbuch mit herrlichen Dekoren aus den 1920er Jahren. Techniken der Veredelung des hochwertigen Porzellans, etwa die Ätzgoldarbeit und die Handmalerei, werden in der Schau ebenso beleuchtet wie das für die Firmengeschichte einschneidende Thema der Vertreibung vor 80 Jahren.

Besucherinfo
Eintrittspreise Sonderausstellung und Museum:
Erwachsene: 6 €, ermäßigt 5 €
Familien (Zwei Erwachsene und Kinder): 10 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.
Öffnungszeiten Museum und Café:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10–17 Uhr (das Museum schließt um 16.45 Uhr, das Schlosstor um 17 Uhr)
Geschlossen: Hl. Abend (24.12.), 1. Weihnachtsfeiertag (25.12.), Silvester (31.12.), Neujahr (01.01.2027), Faschingsdienstag (09.02.2027)
Barrierefreiheit
Der Zugang zur Sonderausstellung ist barrierefrei, in unmittelbarer Nähe zur Schlossbrücke sind Behindertenparkplätze vorhanden.
Führungen "Ein Blick über den Tellerrand"
An folgenden Sonntagen, jeweils um 11 Uhr:
20.12., 03.01., 17.01., 31.01., 14.02., 28.02.
Ein Blick über den Tellerrand kann manchmal sehr erhellend sein – genau wie diese Führung. Bestaunen Sie farbenfrohes Porzellan, Lernen Sie eine besondere Veredelungstechnik kennen und erfahren Sie gleichzeitig die tragische Geschichte der Vertreibung aus dem Sudetenland 1946, die hinter dieser erfolgreichen Unternehmensgeschichte steht.
Teilnahme 6 €, Anmeldung erbeten unter 0821/6002-684
Forum "Über den Tellerrand"
ÜBER DEN TELLERRAND – „Augsburger Porzellan“
80 Jahre flucht und Vertreibung im Spiegel einer Marke von Welterfolg
Eine Kooperation mit dem Akademischen Forum der Diözese Augsburg und der Ackermann-Gemeinde
Vortrag Prof. Dr. Rainer Bendel-Stuttgart
80 Jahre Flucht und Vertreibung – der Beitrag für die neue Heimat Bayern und die Versöhnung
Vortrag PD Dr. Stefan Hartmann, Augsburg
Eine kleine Porzellanmarke – vollendete Dekore für Connaisseurs in aller Welt
Davor und im Anschluss bis 17 Uhr Möglichkeit der Ausstellungsbesichtigung
Teilnahmegebühr 6 € (inkl. Eintritt am 23.01.)
Anmeldung bis 19.01. unter
akademisches-forum@bistum-augsburg.de
Workshops mit dem BastelKiosk
Der BastelKiosk entführt in seinen Workshops in ein buntes Basteluniversum. Die Kurse richten sich an Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren.
Info und Anmeldung zu den Terminen unter
So, 24.01. jeweils 10.30 bis 13.30 Uhr
Upcycling. Porzellan Gestalten
Mit der Dip-Dye-Technik in leuchtenden Farbkombinationen und einer großen Auswahl an Stempeln und Wachsplatten entstehen farbenfrohe Kerzen-Designs.
So, 21.02. jeweils 10.30 bis 13.30 Uhr
Töpfern ohne Ton
Aus tonähnlicher Modelliermasse, verschiedenen Muster- und Drucktechniken und bunten Acrylfarben werden liebevoll gestaltet Deko-Unikate geformt und verziert.
So, 07.03., 10.30 – 13.30 Uhr
Bunter Kerzenzauber
Mit der Dip-Dye-Technik in leuchtenden Farbkombinationen und einer großen Auswahl an Stempeln und Wachsplatten entstehen farbenfrohe Kerzen-Designs.
Film und Gespräch
Mi, 03.03., 18 bis 20 Uhr
„30 Kilo Heimat“ Filmvorführung und Gespräch
Im berührenden Dokumentarfilm „30 Kilo Heimat“ erzählt Christl Eibl ihrem Enkel, Regisseur und Produzent Michael Eibl, von der Vertreibung aus ihrer sudetendeutschen Heimat 1946. Ihre Geschichte handelt nicht nur von Flucht, Verlust und Schmerz, sondern auch von der Kraft des Erinnerns, vom Loslassen und von Versöhnung.
Im Anschluss an die Vorführung findet ein Filmgespräch mit Filmemacher Michael Eibl statt.
Großer Saal, Wittelsbacher Schloss Friedberg
Teilnahme 5 €, Anmeldung bis 28.02. unter 0821/6002-684
Schreibworkshop
Schriftstellerin Katharina Maier entführt ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Welt des Schreibens. Der Workshops richtet sich an Erwachsene.
Weitere Infos und Anmeldung unter
Mi, 27.03., 10 bis 15 Uhr
Zwischen Gold und Scherben. Wie schreibt man eine Familien-Saga?
Ob erfunden oder von der Realität inspiriert – Familienkonflikte stehen oft im Zentrum von Geschichten. Aber wie lässt sich ein solcher Konflikt packend gestalten? Wie schreibt man eine Geschichte über eine ganze Sippe mit verstrickten Beziehungen und Ambitionen? Und was haben Scherben und Gold damit zu tun?
Inspiriert von der Geschichte der Porzellan-Familie Dutz lädt dieser Workshop dazu ein, eine eigene Saga zu entwerfen.
Live-Vortrag
Diese Veranstaltung richtet sich ausschließlich an Schulen!
Di, 12.01., 11 – 13 Uhr
MrWissen2go live im Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg
Der Journalist Mirko Drotschmann – besser bekannt als MrWissen2go – begeistert mit seinem YouTube-Kanal Millionen junger Menschen für Politik und Geschichte. Im Rahmen der Ausstellung hält er einen Live-Vortrag zum Thema Flucht und Vertreibung.
Info und Anmeldung bis 10.11. erforderlich unter
museum@friedberg.de
Vergangene Sonderausstellungen
ORNAMENTAL!
DIE KUNST VON THOMAS WEIL
24. Januar bis 26. April 2026
Seit sechs Jahrzehnten befasst sich der Friedberger Künstler und Architekt Thomas Weil (Jg. 1944) intensiv mit dem Ornament in Architektur, Kunst und Design und entwickelt es stetig weiter: für Häuserbau, Monumentalfassaden, Kunst am Bau, aber ebenso bei der Gestaltung von Interieurs und Möbeln, Teppich-, Stoff- oder Fliesenkollektionen. Das Ornament ist auch Gegenstand seiner Malerei, Grafik und Publikationen.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über Weils vielfältiges Schaffen. In einer eindrucksvollen Installation des Augsburger Labors für Medienkunst, LAB BINÆR, werden seine Kunstwerke erstmals in animierter Form projiziert und scheinbar endlos vervielfältigt gezeigt. In der virtuell bewegten Optik erreicht sein Werk eine neue Dimension.
Weils künstlerischer Ansatz besteht einerseits im Studium der Theorie des historischen Ornaments, anderseits in der Rezeption persischer Architektur und abstrakt-konstruktiver Kunst der 1950er Jahre. Bereits in den 1970/80er Jahren verwirklichte er seine Ideen bei der Gestaltung der Außenanlage des Olympischen Dorfs in München oder in der Innenarchitektur des Ismaili Centre in London.
Für das Museum im Wittelsbacher Schloss schuf er 2008 mit BLOOM IN einen prachtvollen Monumentalteppich, der temporär im arkadenumsäumten Hof zu sehen war; es folgte ein Blumenteppich für den Fayence-Raum des Museums. Für die Ausstellung sind zwei neue Ornamentteppich entstanden.
Im Rahmen der Kooperation mit der Medienstelle Augsburg und dem Staatlichen Gymnasium Friedberg setzten sich Schülerinnen und Schüler mit der Kunst von Thomas Weil auseinander und entwickelten eigene digitale Arbeiten.
TEDDY EROBERT FRIEDBERG
13. Dezember 2024 bis 09. März 2025
Mit „Teddy erobert Friedberg“ präsentiert das Museum im Wittelsbacher Schloss im Winter eine beeindruckende Teddy-Sammlung aus Dresdner Privatbesitz. Seit seiner Erfindung vor über 120 Jahren begann der Siegeszug des Teddybären; seither wurde er für Millionen von Menschen ein treuer Begleiter. In der facettenreichen Ausstellung wird die Geschichte des Teddys ebenso beleuchtet wie die Herstellung des beliebten Spielzeugs. Auch in Literatur, Film und Kunst spiegelt sich die Faszination für das flauschige Kuscheltier wieder. Der besondere Reiz der Präsentation liegt in liebevoll gestalteten großen Teddy-Szenen. Begleiten Sie Teddy auf seiner Reise und erfahren Sie, welch anrührende Geschichte so mancher Teddy von sich zu erzählen weiß!


Die Ausstellung wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
ZWISCHEN BAIERN UND SCHWABEN.
DAS LECHTAL IM FRÜHEN MITTELALTER
16. Dezember 2023 bis 17. März 2024
Das frühe Mittelalter gehört zweifellos zu den spannendsten Kapiteln bayerischer Landesgeschichte. Dank der Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, der Stadtarchäologie Augsburg und der Archäologischen Staatssammlung München kann erstmals eine umfassende Zusammenschau der archäologischen Funde aus dem Lechtal präsentiert werden, die einmal mehr die überregionale Bedeutung dieser alten Kulturlandschaft unterstreicht. Kostbare Gürtelschnallen, Gewandfibeln und Goldblattkreuze aus dem 6./7. Jahrhundert n. Chr. zeugen vom hohen künstlerischen Stand der Zeit und belegen die Dynamik kultureller Austauschprozesse über weite Distanzen.
Nach dem Ende der Römerzeit entstanden Siedlungs- und Herrschaftsstrukturen, die das Leben im Lechtal für viele Jahrhunderte prägen sollten. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Lebensweise der führenden Eliten, sie beleuchtet die wirtschaftlichen Grundlagen und berührt Aspekte des kulturellen und religiösen Lebens. Die Rolle Augsburgs als Zentralort des ersten bairischen Herzogs mit frühem Bischofssitz ist hierbei von großer Bedeutung. Nicht zuletzt wird die Frage diskutiert: Wie und wann wurde der Lech zur Grenze zwischen Baiern und Schwaben?
Zur Ausstellung erscheint ein bebildeter Katalog.
UNHEIMLICH. DIE KUNST VON FRITZ SCHWIMBECK
28. Januar bis 23. April 2023
Der Künstler Fritz Schwimbeck (1889-1977) war ein Meister der Inszenierung des Unheimlichen. Schwimbeck wuchs im Friedberger Schloss.
Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er jedoch in München, wo er sich in den 1910/20er Jahren in einem Kreis von Literaten, Künstlern und anderen Intellektuellen bewegte. In diesen Jahren entwarf er ausdrucksstarke graphische Zyklen mit Motiven des Unheimlichen und illustrierte zeitgenössische Bücher aus dem Bereich der phantastischen Literatur, wie Gustav Meyerinks Roman „Der Golem“ (1915) oder Bram Stokers „Dracula“ sowie Literaturklassiker von William Shakespear oder Heinrich von Kleist.
Schwimbecks Grafiken faszinieren durch ihren geheimnisvollen Charakter, hervorgerufen durch gezielt eingesetzte Lichtquellen und bewegte Schattengestalten.
Die Ausstellung spürt auch Werken der von Schwimbeck bewunderten Künstler nach, so zum Beispiel Arnold Böcklin (1827−1901) und Alfred Kubin (1877−1959). Kurze Stummfilm-Sequenzen zeigen die Nähe zum damals neu aufkommenden Medium Film, insbesondere zu Friedrich Wilhelm Murnaus berühmtem Horrorfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1921.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. – leider ausverkauft!
AUGENBLICKE. ZEIT IN DER KUNST
20. November 2021 bis 20. Februar 2022
Das Phänomen „Zeit“ ist für alle Menschen eine prägende Erfahrung; von jeher haben sich auch bildende Künstler damit auseinandergesetzt. Welche unterschiedlichen Aspekte sie herausgearbeitet haben, soll die Ausstellung an ausgewählten Kunstwerken vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart vorführen. Dabei werden Arbeiten regional bedeutsamer Künstler ebenso präsentiert wie von international renommierten Meistern, darunter Max Beckmann (1884−1950), Tony Cragg (geb. 1949), Salvador Dalí (1904−1989) oder Philipp Otto Runge (1777–1810).
Das Themenspektrum reicht von Tages- und Jahreszeitendarstellungen, über die Verbildlichung der menschlichen Lebensalter, über Chronos bis hin zu Positionen aktueller Kunst.









